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Der Erfinder der Rettungsgasse und die „Witten Müse”

Bocholt/Münster. Sommerferien. A1, A3, A5, A7, A8 und A9 sind stark befahren. Es kommt zu Unfällen. Jeder sollte wissen, wie die Rettungsgasse gebildet wird. Aber wer hat die erfunden? Und was ist gemeint mit ist „Witte Müse”?

Polizeihauptwachtmeister mit guter Idee

Karl-Heinz Kalow war es, der als Polizeihauptwachtmeister Anfang der 1960er Jahre die Idee für die Rettungsgasse hatte. Er war für die Autobahnpolizei in Münster im Einsatz, erlebte viele schwere Autounfälle mit. Damals gab es noch keine Verhaltensregeln für Autofahrer im Stau oder nach einem Unfall. Krankenwagen und Feuerwehr kamen oft nicht oder zu spät zu den Verkehrsopfern durch.

Sieben Jahre bis zur Straßenverkehrsordnung

1963 reichte Kalow beim NRW-Innenministerium einen Vorschlag ein: Bei einem Stau auf der Autobahn sollten an den jeweiligen Rand ihres Fahrstreifens rücken sollten, um Rettungsfahrzeugen die Bahn frei zu machen. Es dauerte noch bis 1970, bis die Idee der Rettungsgasse in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde. Da es zu Kalows Zeiten noch gar keine Autobahnen mit mehr als zwei Richtungsfahrstreifen gab, war die Rettungsgasse immer in der Mitte zu bilden.

Diese Regel gilt seit 2016

Seit 2016 lautet die Regel in der Straßenverkehrsordnung (§ 11 Abs. 2 StVO): „Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ Zu deutsch: Die äußerste linke Spur fährt weiter nach links, alle anderen nach rechts.

Underwegges met „Witte Müse”

Anders, als in anderen Bundesländern, war die Autobahnpolizei in NRW zunächst eigenständig. 1952 wurde die „Verkehrsüberwachungsbereitschaft des Regierungspräsidenten“ in Münster aufgestellt. In Abgrenzung zur „normalen“ Verkehrspolizei trugen die Autobahnpolizisten weiße Mützen und weißes Koppelzeug. Die mit weißen Porsche-Fahrzeugen ausgestatteten Verkehrsüberwachungsstreifen hießen im Volksmund schnell „Weiße Mäuse“, oder auf Platt: „Witte Müse”. Den 1958 von den Autobahnpolizisten gegründeten Münsteraner Karnevalsverein „Witte Müse“ gibt es bis heute, und er ist der Bezirksregierung Münster weiter eng verbunden. 2007 wurden auch in NRW die bis dahin den Bezirksregierungen unterstellten Autobahnpolizeien den Polizeipräsidien angegliedert.

100 D-Mark Prämie für Kalow

Übrigens: Als Anerkennung für seine gute Idee bekam Karl-Heinz Kalow vom Land Nordrhein-Westfalen eine Prämie: 100 D-Mark. Bei späteren Erfindungen der Autobahnpolizei Münster war das Land weniger knauserig. 1996 erhielt Autobahnpolizeikommissar Kay-Jürgen Schröder von NRW-Innenminister Franz-Josef Kniola einen mit mehr als 10.000 D-Mark dotierten Preis für den Vorschlag, Fahrbahnverengungen an Autobahnbaustellen nicht erst an der Baustelle, sondern schon 200 Meter früher einzuleiten. Dadurch wurde sowohl die Zahl der Unfälle wie auch der Getöteten in den Baustellenbereichen um mehr als 50 Prozent reduziert.

Spannender Podcast

Die ganze Geschichte rund um den Autobahnpolizisten Karl-Heinz Kalow und seine Erfindung der „Rettungsgasse“, die so viele Menschenleben rettet, gibt es aus der Reihe „Erlebte Geschichten“ als WDR5-Podcast:

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-erlebte-geschichten/audio-karl-heinz-kalow-polizeibeamter-100.html

Das Foto zeigt den Erfinder der Rettungsgasse: Polizeihauptwachtmeister Karl-Heinz Kalow. Bildquelle: Bezirksregierung Münster

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