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Wie versteckte Kamera: Bocholterin trifft auf „Autobumser”

Bocholt. Vorgetäuschte Unfälle sind nichts Neues. Ein Radfahrer, der sich vor ein Auto wirft, ist die eine Sache. Aber ist es denkbar, dass sogar ein Kind „vorgeschoben wird”?

Martina M.* fährt in Bocholt in einen Kreuzungsbereich. Schmale Straßen, sie ist langsam unterwegs, wie sie berichtet, denn von rechts kommende Verkehrsteilnehmer haben für sie Vorfahrt. Die Autofahrerin verschafft sich eine Übersicht, fährt dann in die Kreuzung rein und sieht einen Fahrradfahrer auf sich zukommen. Der wechselt auf ihre Fahrspur, schwenkt sein Rad ganz bewusst nach links und nach rechts und lässt sich dann fallen. Die Bocholterin weiß im ersten Moment nicht, wie ihr geschieht. Ihr Fahrzeug ist mit Notbremsassistenten ausgestattet. Ihr Auto steht bei der geringen Geschwindigkeit praktisch sofort.

Aua Aua wie in einem Theaterstück

Der Fahrradfahrer ruft laut Aua, Aua. Dann steht er auf, greift nach seinem Fahrrad, um es Richtung Fahrzeug werfen. Martina M.* kommt sofort der Gedanke, dass sie es hier mit wem zu tun hat, der einen Verkehrsunfall vortäuschen will. „Er hat nicht damit gerechnet, dass mein Fahrzeug sofort zum Stehen kommt”, erzählt sie. „Als er sich vom Rad fallen ließ, war mein Auto viel zu weit weg von seinem Theaterstück.“

Sie habe zwar vor lauter Aufregung am ganzen Körper gezittert, zeitgleich sei sie aber auch so sauer gewesen. „Ich bin ausgestiegen und habe ihn gefragt, ob er das ernst meint, was er mir vorspielt und ihm gesagt, dass ich das so nicht mitmache“, berichtet die Bocholterin.

Unfall vortäuschen und abkassieren

Mit einem Blick habe sie dann diese Frau wahrgenommen. „Die wartete wohl, um im richtigen Augenblick als Zeugin aufzutreten“, vermutet Martina M. „Dann winkte sie ihn zu sich, und die beiden hauten ab. Ganz ehrlich, das war wie bei der versteckten Kamera.”

Dreiste Maschen wie diese sind der Polizei im Kreis Borken bekannt. „Die gab es immer schon“, erklärt Frank Rentmeister, Pressesprecher und Sachgebietsleiter. „Hierbei handelt es sich um vorgetäuschte Unfälle. Und die werden in verschiedener Art und Weise ausgeführt.“

Und das bedeutet: Täter täuschen Verkehrsunfälle vor, verabredet oder provoziert, tatsächliche Schäden werden vergrößert oder Altschäden doppelt abgerechnet, um von den Versicherungen unrechtmäßig abkassieren zu können. Manche Täter sind aber auch einfach nur darauf aus, den Überraschungsmoment und die Emotionen eines Verkehrsteilnehmers auszunutzen, Schmerzen vorzutäuschen, um dann den Vorfall mit Bargeld wieder aus der Welt zu schaffen.

„Früher nannte man das Autobumser”

„Früher wurde dazu Autobumser gesagt“, verrät Frank Rentmeister. „Wer einen Unfall provozieren will, sucht sich die beste Stelle, eben die, wo andere Verkehrsteilnehmer bekanntlich nicht gut aufpassen. Oder man bremst extrem stark ab, nutzt es aus, wenn das Fahrzeug hinter einem drängelt.“ Auch Fälle, in denen sich, wie Martina M. geschehen, ein Radfahrer fallen lässt, seien ihm bekannt. Wie oft diese Form der vorgetäuschten Unfälle im Kreis Borken vorkomme, könne er nicht nachvollziehen, da es sich hier um Vortäuschen einer Straftat handelt.

500 Euro und die Sache sei erledigt

Im Juli 2022 der Bericht eines solches Vorfalls in der Tagespresse Stadtlohn: Eine Autofahrerin fährt in den Kreisverkehr, plötzlich schmeißt sich ein Radfahrer vor ihr Auto. Zu einem Unfall kommt es nicht. Die Fahrerin hält an und fragt nach dem Befinden des Mannes, der angibt, verletzt zu sein. Gleichzeitig soll er aber der 19–Jährigen vorgeschlagen haben, dass er durch eine Zahlung von 500 Euro die Sache als erledigt ansehe.

Als Komplize ein Kind?

Ein erwachsener Mensch, der einen Unfall vortäuscht, ist die eine Sache. Aber ein Kind vorschicken, um dann abzukassieren? Ob dies wirklich so war oder auch nicht, Sabine W.* aus Herne weiß es nicht definitiv. Aber ihr Bauchgefühl und die Tatsache, dass auf eine Anzeige verzichtet wurde, deute für sie darauf hin. Sabine W. ist 56 und Pendlerin. Zweimal pro Woche fährt sie von Herne zu ihrer Arbeitsstätte nach Bocholt und zurück.

Vor ein paar Wochen ist sie nach Feierabend bereits ein paar Straßen von ihrem Wohnhaus entfernt. Sie befährt eine 30er-Zone, erinnert sich noch, dass in ein paar Metern ein großer schwarzer Bulli parkt und ihre Strecke unübersichtlich macht.

Zehn Männer beschimpfen sie

In Höhe des Bulli schießt plötzlich ein Kind auf die Straße, Sabine W. tritt sofort auf die Bremse. Ihr Auto hat das Kind touchiert, dieses steht aber sofort auf und läuft weiter. Binnen weniger Sekunden ist sie eingekreist. „Wohl an die zehn Männer jüngeren und mittleren Alters kamen auf mein Auto zu, drohten mir und beschimpften mich“, erinnert sich die 56-Jährige, die auch Mutter ist.

Nur nicht aussteigen

„Ich wusste nicht, was da los ist“, berichtet sie. „Für mich war aber klar, dass ich mein Fahrzeug verschließe und ich definitiv nicht aussteige.“ Kurz drauf kommt eine Frau mit dem Kind auf sie zugelaufen. „Auch sie beschimpfte mich aufs Übelste“, erzählt Sabine W.

Die Frau mit dem Kind sagt, sie könnte ja jetzt die Polizei rufen, woraufhin Sabine W. ihre Zustimmung nickend bestätigt.

Linienbus macht Anruf möglich

„Dann aber kam der Linienbus“, erzählt die Autofahrerin. „Die Männer mussten an den Straßenrand, das gab mir die Möglichkeit, ein Stück vorzufahren und endlich an meine Tasche auf der Rückbank zu kommen, in der mein Handy steckte.“

Sabine M. ruft die Polizei. Die Frau mit dem Kind und die Männer wollen den Vorfall auf sich beruhen lassen. Sie erstatten keine Anzeige.

„Ich bin mir sicher, dass es ihnen um Geld ging“, sagt Sabine M. „Aber beweisen kann ich es nicht. Ich bin nur froh, dass ich so glimpflich davon abgekommen bin. Normal jedenfalls war das nicht, was mir da passiert ist. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass wirklich Kinder vorgeschickt werden, um einen Unfall vorzutäuschen. Aber möglich ist ja heutzutage alles.”

„Im Zweifel immer Polizei hinzuziehen!”

„Die Masche ist, Unbeteiligte scheinbar in eine Situation einzubeziehen, in der diese nicht in der rechtlich besseren Situation sind“, macht Frank Rentmeister deutlich. Er rät: „Im Zweifel immer die Polizei hinzuziehen, den Vorgang sauber schildern und, wenn möglich, Zeugen nennen.“

*Die Namen sind der Redaktion bekannt.

Titelbild: BOH-Lokalpilot/Gabi Frentzen

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